Willkommen in Königs Wusterhausen
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Wo sich Promis wohlfühlten

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Kneipenforscher
Rainer Kugel
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Die Stadt als Sündenpfuhl!

Stand: Dezember 2018

Die Stadt des Soldatenkönigs als Sündenpfuhl? So ruhig und züchtig wie heute ist es in Königs Wusterhausen offenbar nicht immer zugegangen.

Das weiß keiner genauer als Rainer Kugel. Der frühere Kameraassistent beim DDR-Fernsehen hat so seinen besonderen Blick: „Es gab in der Stadt Königs Wusterhausen ohne die Ortsteile lange Zeit exakt 29 Gaststätten, Kneipen und Cafés. Besonders heiß ist es wohl im ‚Café Röckchen hoch‘ zugegangen. Es hieß eigentlich ‚Schloßcafé’. Den Beinamen bekam es, weil Betreiber Max Siegmund zwei sehr lebenslustige Töchter hatte. Diese sollen regelmäßig einen heißen Cancan auf die Tanzfläche gelegt haben. Wem die Tänzerinnen gefielen, den luden sie dann offenbar gerne in eines der Gästezimmer ein.“

Mit Kneipen aufgewachsen
Rainer Kugel hat über die Vergnügungsstätten seiner Heimatstadt eine Sammlung an Dokumenten, Fotos und Zeitungsausschnitten angelegt, die er in gleich acht prallgefüllte Ordner hineinsortierte. „Während meiner Jugendzeit hatte ich mit meiner Familie in der Berliner Straße gewohnt. Schräg gegenüber war der ‚Goldene Adler‘. Da gingen Leute rein und raus, es war durchaus mal laut.
Jedenfalls gab es immer etwas zu beobachten. Da ich schon während meiner Schulzeit sehr an der Historie meiner Heimatstadt interessiert war, ließ ich mir zudem gerne von den ‚Alten’ erzählen, was früher einmal hier los war. So kam es, dass ich begann, Geschichten zu sammeln und später meine Erkenntnisse in Artikeln an die Heimatzeitung zur Veröffentlichung weiterreichte“, erinnert sich der heute 71-Jährige an seine Anfänge als „inoffizieller Ortschronist”.

Intime Einblicke
Seine Kenntnisse gibt er gerne in Vorträgen und auf Anfragen hin weiter. Zudem ist er als „der einzige Stadtführer von KW, der tatsächlich hier aufgewachsen ist“, im Einsatz. Viele kennen ihn außerdem als „Diener des Soldatenkönigs“ in einer Posse, die er zusammen mit dem vor zwei Jahren verstorbenen Chronisten­kollegen Heinz Borchert zum Schlossfest vorführte. Seine Einblicke in die bunte Welt der Vergnügungsstätten gehen bis zum Soldaten­könig zurück. „Von ihm ist ja bekannt, dass er gerne mal inkognito in eine Kneipe ging, um zu hören, was seine Untertanen so alles über ihn dachten.“

Stars in der Stadt
Zu den Berühmtheiten, die in KW einkehrten, gehörte Theodor Fontane, der bei seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ 1862 im „Goldenen Schiff“, das später „Fröhlicher Hecht” hieß, abgestiegen war.
Offenbar war es insbesondere die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, wo Königs Wusterhausen dank hoher Anziehungskraft als Ausflugsziel einen regelrechten Gaststätten-Boom erlebte.
„Wenn Gustaf Gründgens mit Marianne Hoppe auf dem Weg von Berlin zu ihrem Sommersitz im „Schloss Zeesen” durch Königs Wusterhausen kamen, legten sie gerne einen Zwischenstop in der ‚Konditorei Willi Eschkomodau‘, die später ‚Stadtcafé’ hieß, ein“, hat Rainer Kugel herausgefunden.

Ehe für die Partei
Gründgens war während der NS-Zeit Intendant vom „Staatlichen Schauspielhaus“. Dort war Marianne Hoppe mit im Ensemble.
Die beiden heirateten unter dem Druck der NS-Partei, um beider Homosexualität zu kaschieren. Man kann sich also vorstellen, dass es jedes Mal ein Ereignis war, wenn dieses schillernde Paar in KW Halt machte.
Henny Porten, der erste Stummfilmstar der UFA, war hier sogar beim Drehen zu erleben. „In Königs Wusterhausen entstand der Spielfilm ‚Das Storchennest’. Dazu gab es schulfrei, damit die Kinder dieses Ereignis miterleben konnten”, weiß Rainer Kugel.

Große Feste, kleine Kneipe
„Bestes Haus am Platz war lange Zeit das Bahnhofs­hotel”, so Rainer Kugel weiter. Dessen großer Saal fasste 300 Personen.
„Hier gab es Theater- und Operettenaufführungen sowie Filmpremieren und große Bälle”, weiß Kneipenforscher Rainer Kugel. Er selbst hat immer noch seine Stammkneipe. „Dies ist die ‚Kleine Melodie’ wo man sich kennt und das Bier immer noch preiswert ist”, verrät er.
Rainer Kugel hat hier sogar noch ein Schild aus den 1960-er Jahren, das darauf hinweist, dass Kofferradios verboten sind: „Schließlich sollten die Leute ihre Münzen in die Musikbox werfen“, schmunzelt er über diesen „Werbe­einfall”.
Noch kurioser war die Regelung im Mitropa-Restaurant am Bahnhof: „Bier wurde gerne raus über den Tresen gereicht. Wer Bockwurst wollte, war verpflichtet, diese im Inneren zu genießen.“

Wissen in Akten
Leider kann man die vielen Anekdoten und Forschungsergebnisse von Rainer Kugel nirgendwo nachlesen.
Trotz seines Berufs im Umfeld der TV-Technik macht er um die heutige Technik einen Bogen, so dass er weder über Fax oder E-Mail erreichbar ist und noch weniger eine Internetseite betreibt, wo man seine Erkenntnisse einsehen könnte!