Willkommen in Königs Wusterhausen
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Die Stadt auf dem Weg zum Technologie-Zentrum

Bürgermeister
Swen Ennullat

Kinder und Sicherheit

Stand: Dezember 2018

Der Bürgermeister dreht lachend an einem alten Röhrenradio und scherzt über die niedrigen Temperaturen in seinem Amtszimmer, weil die Heizung Probleme macht. Dabei ist die Stadt auf dem Weg zum Technologiezentrum!

Dies passiert momentan gleich an mehreren Stellen. Eine davon ist der Hafen. Vor einem Jahr noch herrschte schlechte Stimmung: „Die Kohle-Verschiffung war um zwei Drittel zurückgegangen. Wir mussten leider ein Drittel der Mitarbeiter entlassen, das waren zehn Personen. Diese haben allerdings aufgrund der guten Qualifikation gleich wieder eine neue Beschäftigung gefunden“, blickt Bürgermeister Swen Ennullat zurück.

Begehrter Hafen
Er überlegte damals, Teile des Areals für den Wohnungsbau umzuwidmen. Davon ist heute keine Rede mehr: „Die Prüfungen erbrachten ein gegenteiliges Ergebnis. Wir profitieren jetzt von einer anziehenden Konjunktur. Die Flächen sind bei Investoren wieder sehr begehrt. Wir vergeben sie in Erbbaupacht. Die Areale in erster Reihe sind mit der Verpflichtung zu einem Mindest-Güterumschlag verbunden“, erklärt er nun den Wandel. „Wir nehmen jetzt an einem Pilotprojekt des Bundes für die Digitalisierung auf dem Wasser teil. Da geht es etwa darum, dass man im Hafen im Voraus sieht, wann Schiffe kommen und welche Fracht sie haben. Dann kann man sich dort darauf einstellen und Entladezeiten exakt planen.“

Zukunftsprojekt
Ein Vorteil des Hafens ist, dass er Drehkreuz zwischen Wasser, Schiene und Straße ist. Hier setzt ein weiteres Zukunftsprojekt an. „Eine holländische Firma baut hier ein Terminal für Lkw-Fracht. Sie hat ein Patent entwickelt, um Sattelauflieger auf die Bahn zu verfrachten. Die Auflieger mit Gemüse aus Holland kommen über Nacht in KW an und werden durch hiesige Speditionen weiter verteilt. Bei uns entsteht das erste Terminal dieser Art in Deutschland. Die Investitionssumme beträgt 16 Millionen Euro“, beschreibt der Bürgermeister.

Wassertaxi für die Region
Der Aufwind im Hafen freut ihn durchaus persönlich, denn Swen Ennullat liebt das Wasser, von dem KW ja teilweise umgeben ist. So hat er mit Mittenwalde eine Kooperation abgeschlossen, um den Notte-Kanal attraktiver für Kanus und kleinere Boote zu machen. „Dazu brauchen wir Anlegemöglichkeiten, Toiletten und ab und an einen Imbiss.“
Auf der Dahme soll ebenfalls Bewegung entstehen: So gibt es mit den Bürgermeistern der Gemeinden Eichwalde und Zeuthen bereits Gespräche über ein Wassertaxi.
„Damit könnte Zeuthen elegant sein Problem lösen, dass der Miersdorfer Werder sonst nur sehr aufwändig zu erreichen ist. Auf dem Landweg geht es nur, wenn man den Zeuthener See entweder über Schmöckwitz oder über Königs Wusterhausen umrundet“, beschreibt Swen Ennullat den Charme dieser Idee.

Spitzenmanager für Funkerberg
Ähnlich erfolgreich wie Michael Fiedler als neuer Chef der Hafengesellschaft Lutra ist Klaus Schmuck. Der Manager, der sich vom Lehrling an die Vorstandsspitze von Welt­instituten wie der Deutschen Bank und der Allianz Holding hochgearbeitet hat, ist jetzt in Königs Wusterhausen für das Technologiezentrum zuständig, das auf dem Funkerberg entstehen wird.
„Wir werden dort unter anderem ein Forschungsinstitut bekommen“, verweist er auf das Ergebnis einer „europaweiten Ausschreibung mit Mindestgebot“.

Schulden für Kinder?
Diese dynamische Entwicklung zieht weitere Impulse nach sich: „Dadurch wird der Druck nach städtischer Infrastruktur noch größer. Wir haben schon jetzt ein großes Bevölkerungswachstum. Dies bedeutet, dass wir beispielsweise bei Kitas und Schulen sehr nachbessern müssen. Das wird dazu führen, dass wir kurzfristig etwa 22 Millionen Euro an neuen Schulden aufnehmen müssen. In den kommenden Jahren werden es insgesamt etwa 58 bis 80 Millionen sein. Ein Teil davon wird sich durch Mehreinnahmen an Steuern ausgleichen. Als Stadt kommt uns ja beispielsweise die wachsende Einkommensteuer zugute. Wir bekommen durch mehr Bewohner mehr Geld vom Land, müssen aber andererseits eine höhere Kreisumlage zahlen“, lässt der Bürgermeister in die Stadtkasse blicken.
„Es gibt hier für uns kaum Handlungsspielraum, weil es um Investitionen in Pflichtaufgaben wie Kita-Plätze geht, zu denen wir gesetzlich verpflichtet sind. Die Kommunalaufsicht begleitet uns bei diesem Prozess der Neuverschuldung. Schließlich haben wir noch 11,9 Millionen Euro an alten Verbindlichkeiten abzutragen“, erklärt Swen Ennullat.

Stadt-Geld für andere?
Bei manchen Ausgaben fühlt sich der Bürgermeister allerdings unfair behandelt: „Viele Kinder in unseren Schulen kommen aus umliegenden Gemeinden. Da wäre es angebracht, wenn wir beispielsweise für die Sozialarbeiter einen Zuschuss bekommen würden.“
Besonders ärgert ihn, dass der Förderantrag für die neue Feuerwache, die auf dem Funkerberg entstehen soll, abgelehnt worden ist, so dass Königs Wusterhausen die Kosten alleine tragen muss: „Wir unterhalten eine Stützpunktfeuerwehr mit 32 hauptamtlichen Mitarbeitern. Diese hat Aufgaben wahrzunehmen, die weit über die Stadt hinausgehen. Wir sind für die Autobahnen zuständig. Im Falle eines Flugunfalls sind wir ebenfalls hinzuzuziehen. Wir haben 23 Fahrzeuge und zwei Boote. Dies erfordert einen hohen Ausbildungsstand und entsprechende Kosten. Dennoch müssen wir das Investitionsvolumen von 14 Millionen selbst bezahlen. Das Land zieht sich mit dem Hinweis auf fehlende Mittel aus der Verantwortung.“

Gute Laune
Trotz der massiven Probleme, vor denen der junge Bürgermeister steht, ist er nach einem Jahr nach wie vor von seiner Arbeit begeistert: „Es ist die wunderbarste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann“, strahlt er.
Offenbar wirkt seine gute Laune im Rathaus ansteckend. Weit mehr als früher trifft man hier auf Offenheit und viel Freundlichkeit. Ob das noch besser werden kann, wird sich schon bald zeigen: „Wir nehmen an einem Audit-Verfahren teil und haben durch eine externe Firma eine Erhebung machen lassen, in der die Mitarbeiter anonymisiert befragt wurden. Davon erhoffe ich mir wichtige Anstöße zur Optimierung. Schließlich ist die Verwaltung für die Bürger da. Motivierte Mitarbeiter erfüllen ihre Aufgabe am besten“, ist Swen Ennullat überzeugt.

Neue Köpfe im Rathaus
Um intern effizienter handeln zu können, wurde die „obere Führungsebene“ optimiert: So hat er den früheren Hochbauamtsleiter René Klaus zurückgeholt und ihm das Ressort „Stadtentwicklung und Gebäudemanagement“ übertragen. „Er war seit der Wende im Amt, hat ein enormes Wissen. Seine Kündigung war unrecht­mäßig.“
Für den Bereich „Bürgerdienste, Ordnung und Familie“ hat er mit Ria von Schrötter eine Fachbereichsleiterin gewonnen, die vorher beim Evangelischen Jugendwerk für benachteiligte Kinder und Flüchtlinge tätig war. „Damit besteht wieder Arbeitsfähigkeit. Diese war durchaus geschwächt, denn mein eigentlicher Stellvertreter, der 1. Beigeordnete Jörn Perlick, ist seit einem Jahr im Krankenstand. Er wird außerdem im Januar 2019 in Pension gehen“, gibt Ennullat weiteren Einblick hinter die Kulissen seiner Verwaltung.
Der Nachfolger als Kämmerer steht bereits fest: Mit Axel Böhm wacht seit Herbst ein erfahrener Prüfer am Bundesrechnungshof, der aus Niederlehme stammt, über die Finanzen der Stadt.

Rathaus zu klein?
Das Anwachsen von Königs Wusterhausen bildet sich im Rathaus mit ab: Obwohl hier gerade ein Neubau bezogen wurde, platzt er schon jetzt wieder aus vielen Nähten. „Der Sitzungssaal ist nur für 199 Personen zugelassen. Wir werden in der nächsten Wahlperiode aber gleich vier Stadtverordnete mehr haben, es werden dann 36 Personen sein. Es ist mir wichtig, dass die Bürger die Sitzungen mitverfolgen können. Da ist der Saal dann schnell überfüllt.“
Deshalb gibt es die Idee eines weiteren Neubaus auf städtischem Grund hinter dem bisherigen Gebäude: „Darin könnte dann die Bibliothek mit einziehen, die momentan nur eingemietet ist“, erklärt Swen Ennullat.
Allerdings sieht er dieses Projekt in weiterer Ferne: „Dafür stehen die nächsten Jahre wohl kaum Mittel zur Verfügung“, schätzt er ein. „Zuerst müssen wir uns der Verbesserung der Bildungsstruktur, also dem Bau von dringend benötigten Kitas und Schulen widmen.“