Willkommen in Königs Wusterhausen
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Pilotprojekt im Schulgarten: Erlebniswelt und Tierrettungsstation

0172/3216160 0172-3216160 01723216160
Bienen-Erlebniswelt
Britta Herter
Telefon:01 72/3 21 61 60
Website:www.waldieskwh.de
Website:www.igelrettung-KW.de

Kinder als lebende Bienen

Stand: Dezember 2021

Einmal Biene sein, diese Erfahrung kann man ausgerechnet im mit Betonburgen zugepflasterten Neubaugebiet von Königs Wusterhausen machen.

Dort schuf Britta Herter eine weit und breit einzigartige „Bienen-Erlebniswelt“. Die fleißigen „Insekten“, die hier etwas erleben, sind allerdings ein klein wenig größer als ihre „echten“ Vertreter, die unweit davon in 18 Kästen für Honig sorgen! Diese werden von den „Waldies“ mit betreut.

Kinder im Bienenstock
So nennt sich eine Arbeitsgemeinschaft naturinteressierter Jungs und Mädchen an der Staatlichen Gesamtschule Königs Wusterhausen.
„In der Bienen-Erlebniswelt durchläuft man ein komplettes Insektenleben. Jeder macht erst mal die Entwicklungsstufen vom Ei über die Larve zur Biene mit. Es geht weiter mit einem Geruchs- und Hörtest, wo zwischen eigenem Volk und bedrohlichen Eindringlingen wie Hornissen und Wespen unterschieden wird. Dann geht es an die Waben, die von den Putzerbienen sauber gehalten werden. Dazu bekommen die Kinder bei uns Handfeger und Müllschippe“, führt die ungewöhnliche Lehrerin für Biologie, Chemie und Naturwissenschaften in ihr „Reich“ ein.

Wabenblick
Sogar „sehen wie eine Biene“ ist angesagt. Per Spezialoptik erlebt man den „Wabenblick“. Natürlich geht es anschließend entsprechend ausgestattet daran, zu fühlen, wie man als Biene Blütenpollen sammelt, wie man als „Königin“ umsorgt wird oder wie schwer das Drohnen-Leben sein kann! Mit dieser Bienen-Erlebniswelt schuf Britta Herter nach eigenen Ideen eine Möglichkeit, die Welt der nützlichen Insekten Kindern fühlbar nahe zu bringen: „Darüber gibt es immer wieder Fachartikel in Imker-Zeitschriften. Alle Elemente wurden in Spezialanfertigung hergestellt. Schade, dass ich vergessen habe, mir das patentieren zu lassen“, sinniert die überaus agile 58-Jährige. Sogar das Fernsehen war schon da.

Bäume als Sammlung
Dabei hat sie, als sie auf die Biene gekommen war, vorher eine immense Menge an Naturerleben geschaffen.
„Nach der Wende lag der Schulgarten der damaligen POS5 und POS6 brach. Unterm Dach der ‚Schutzgemeinschaft Deutscher Wald‘ konnten wir hier ein Arboretum schaffen. Das bedeutet „Baumsammlung“. Jede Art sollte nur einmal vorkommen. Dennoch war das Gelände von über 3 000 Quadratmetern bald voll. Die naturinteressierten Schüler fanden sich dazu in einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, die sie ‚Waldies‘ nannten“, blickt sie zurück.

Igel und Eichhörnchen
Schnell sprach sich ihr Engagement für Umwelt und Natur herum. So ergab sich ab 1992 eine Wildtier-Rettungsstation, die sich mittlerweile auf Eichhörnchen und Igel spezialisiert hat.
„Um den Winter in der freien Natur zu überstehen, benötigen Igel ein Gewicht von mindestens 500 Gramm. Wenn sie darunter liegen, müssen sie mit entsprechendem Wissen betreut, medizinisch versorgt und gefüttert werden. Oft überwintern wir an die 80 Tiere. Wir haben für sie eine Anlage mit 32 einzelnen Kästen gebaut. Familien bewohnen zusammen einen ‚Stall‘. Gefüttert wird mit Katzenfutter, dem Insekten, Hafer und weitere Bestandteile zugefügt werden“, gibt die ungewöhnliche Lehrerin weiteren Einblick in ihren tierischen Schulgarten. „Die Betreuung setzt tägliches Ausmisten, Füttern und oft medizinische Versorgung voraus. ‚Babys‘ von Igeln und Eichhörnchen müssen alle drei Stunden gefüttert werden, Tags und Nachts.“

Alles Unikate
Das ist mit den „Waldies“ alleine kaum realisierbar, schließlich sollen die Kinder nachts schlafen!
Deshalb ist Britta Herter froh, durch Cathrin Paschke Verstärkung bekommen zu haben. Dies macht die finanzielle Unterstützung durch die „Untere Naturschutzbehörde“ sowie die Stadt KW möglich.
Bei allem „tierischen Einsatz“ ließ die Naturschützerin das Problem des Insektensterbens nicht ruhen. Über Monate grübelte sie an der Frage, wie sich das Leben der Honigbiene den Jungs und Mädchen fühlbar nahe bringen lässt. Dafür haben sie nun doppeltes Anschauungsmaterial. Sie können sich selbst als Biene erproben und anschließend die „etwas kleineren Vertreterinnen“ dieser Zunft in den Bienenkästen im Schulgarten beobachten. Die Ausbeute aus der „Beute“, wie diese in der Imkersprache heißt, hält sich allerdings im Neubaugebiet in Grenzen. „Die professionellen Imker fahren in die ‚Tracht‘, also in Gebiete, wo genügend Blüten vorhanden sind“, klärt Britta Herter über ein weiteres Phänomen auf.

Erstellt: 2021