Willkommen in Königs Wusterhausen
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Bunte Kunst auf allen Ebenen mit internationaler Erfahrung

Künstlerin Violeta Vollmer-Dundulyte
Violeta Vollmer-Dundulyte
Telefon:0 33 75/5 24 30 78
Website:vivoart-design.com

Mit Lenin-Stipendium in die Kunst-Welt

Stand: Dezember 2016

Einmal jemand anders sein, wer würde das nicht ab und an wollen? In Senzig kann man neuerdings erkunden, wie das ganz einfach geht.

Dafür sorgt eine ungemein vielfältige Künstlerin, die seit 2014 den Charakter des Ortsteils von Königs Wusterhausen als „Hort der Kreativen“ verstärkt. Violeta Vollmer-Dundulyte wohnt nur wenige Häuser weit entfernt vom Filmschauspieler Bruno Frank Apitz, der sich seit Jahren als Maler entwickelt. Weiterhin trifft man hier den Maler Horst Walter König und Filmstar Ursula Karusseit sowie Märchenfee Agnes Barbara Kirst.

Kunst seit Kindesbeinen
Doch kaum jemand war so früh von Kunst besessen wie Violeta Vollmer-Dundulyte. Sie ist Tochter eines Mathematiklehrer-Ehepaars. Dessen Überlebensstrategie im damals noch sowjetischen Litauen war „Nicht-Auffallen“. Genau das Gegenteil inspirierte das Töchterchen. Sie war aufmüpfig, bevor ihr dies richtig bewusst wurde. „Ich webte knallbunte Pippi-Langstrumpf-Strümpfe, um gegen das Einerlei von Uniformen bei uns zu protestieren.“

Lenin-Stipendium
Bereits als Zehnjährige war sie für vier Jahre an der Kinderkunstschule. Mit gerade mal 14 Jahren wechselte sie 1980 an die Kunsthochschule in Kaunas, die sie mit 19 Jahren abschloss. „Ich wäre gerne Modedesignerin geworden. Dies war allerdings den Töchtern der Funktionäre vorbehalten. Ohne Parteibuch hatte ich keine Chance“, erinnert sie sich. Stattdessen schaffte sie es, ein Lenin-Stipendium zu erringen, um damit ausgerüstet in der estnischen Hauptstadt Tallinn angewandte Kunst zu studieren. „Dort waren die Professoren so nationalistisch eingestellt, dass sie die Umbruchszeit der Ära von Michail Gorbatschow dazu nutzten, ausschließlich in Estnisch zu unterrichten. Ich verstand anfänglich kein Wort. Andererseits konnte man sich damals einfach in den Zug setzen, war in wenigen Stunden in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. Dort brodelte es. Die angesagten Künstler des Westens waren in vielfältigen Ausstellungen ebenso zu erleben wie eine sich ent­wickelnde Avantgarde“, denkt sie an diese Zeit des Aufbruchs zurück. „Wir sahen Bilder von Pablo Picasso und vom amerikanischen Pop-Art Künstler Robert Rauschenberg.“

Liebe per Telefax
In der Umbruchsphase des zerbröckelnden Sowjetreichs wurde Litauen wieder ein souveräner Staat, der sich nach Westen ausrichtete. Die junge Künstlerin, die sich mit Kreationen aus Leder ebenso beschäftigt hatte wie mit Schmuck, der aus einer Person jemand ganz anderen macht, die zudem die Themen der Zeit in Gemälden festhielt, spülte es als „kreative Botschafterin“ ihres Landes nach Hamburg. Dort war ein kühler Hanseate sofort für sie entflammt, als er sie an ihrem Stand im Völkerkundemuseum entdeckte. Der Lehrer am Goethe-Institut wählte zur Annäherung einen Brief per Telefax. Die Angesprochene war total perplex: „Ist das im Kapitalismus so üblich?“

Unterwegs für Deutschland
Aus der Romanze wurde die große Liebe. Diese bescherte der Künstlerin Einsichten in die USA, aus Argentinien und Südafrika. Das waren die Orte, wo Wilfried Vollmer als Lehrer für Deutsch, Geschichte und Philosophie im Auftrag der Bundesregierung tätig war. Das Ergebnis sind Eindrücke als kleine Bilder, die sich wie Fliesen zu einem Mosaik zusammenfügen lassen. Es entstanden ebenso wandgroße Gemälde. Sie entwarf Schmuck, der teilweise so groß ist, dass er die komplette Taille umfassen kann und damit die Reize der Trägerin auf eine ganz neue Art betont. „Ich bin damit eine andere Person“, hat Violeta Vollmer-Dundulyte ausprobiert. „Manche reagieren darauf mit Interesse, andere schockiert. Mein Mann begleitete mich dabei mit einem eher größeren Abstand, um als Lehrer an einem Regierungs­institut nicht ins Gerede zu kommen“, denkt sie zurück. Weitere Arbeiten drücken sich in Installationen, Videokunst, Fotos und sogar Buchillustrationen aus.

An der Seite von Filmstars
Nun kam der Spielfilm dazu. Der Anstoß ging von Tochter Anna-Sophie Vollmer aus. Die 21-Jährige studiert an der Berliner Humboldt-Universität Spanisch und Englisch. Mama nahm die Anregung gerne auf. Zwar war sie bisher in Komparsen-Rollen tätig, dafür aber in mittlerweile fast 20 Filmen. „Das faszinierende ist, den Stars ganz nahe zu sein, die ich sonst im Kino bewundere“, ist sie sich mit Ehemann Wilfried Vollmer einig. „Ein ganz großes Erlebnis war bei einem Film von Bruno Ganz mitzuwirken, der ist unser Lieblings­schauspieler.“ Ob sich damit eine Karriere im Film für die mädchenhaft wirkende 50-Jährige eröffnet?

Essen und Moral
Tipps dafür kann sie sich von ihren Nachbarn Ursula Karusseit und Bruno Frank Apitz geben lassen. Die werden sicher beim nächsten „Tag des Offenen Ateliers“ gerne zu Gast sein. Dann lädt Violeta Vollmer-Dundulyte zu einer Neuinszenierung ihrer Kreativität, die das Bert Brecht-Zitat „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ behandelt. Das verspricht viel Spannung, denn die Künstlerin lädt gerne zum Essen, das sie ebenso leidenschaftlich-liebevoll wie ihre Kunst kreiert. So verlockt sie mit selbst hergestellten Pralinen, die weitgehend ohne Zucker auskommen, wo selbst das Marzipan per Hand aus Mandeln hergestellt ist. Damit erfährt man eine weitere Seite des Engels auf den Spuren des griechischen Philosophen Empedokles , der sich angeblich in den Ätna gestürzt hat. Als Violeta Vollmer-Dundulyte auf dessen Spuren, angeregt vom Philosophie-Lehrer und Ehemann Wilfried Vollmer, mit Engelsflügeln den Vulkan erkunden wollte, stieß sie knapp unterm Kraterrand allerdings auf die Launen der Bürokratie und musste unverrichteter Dinge umkehren. Was man dennoch mit Engelsflügeln anstellen kann, das ist eines der spannenden Themen in ihrem „Atelier-Haus“ in Senzig, wo Besucher sogar im Schlafzimmer willkommen sind, um die vielen Bilder einer immer anderen Violeta Vollmer-Dundulyte kennenzulernen.